Stralauer Dorfkirche zum 550-jährigen Bestehen erneuert und restauriert

Anlässlich des 550-jährigen Bestehens habe ich die Stralauer Dorfkirche in meinem Wahlkreis besichtigt. Sie ist das älteste Gebäude Friedrichshains. Uwe Nübel, Vorsitzender des seit 1992 bestehenden Fördervereins Stralauer Dorfkirche, informierte mich bei meinem Rundgang ausführlich über Gegenwart und Geschichte des markanten Gotteshauses auf der Halbinsel Stralau:

Die Kirche wurde in den vergangenen zwei Jahren unter Beachtung des Denkmalschutzes für rund 190 000 Euro aufwändig erneuert und restauriert. So wurden ein behindertengerechter Zugang, Sanitärräume und eine Küchenzeile in den seit 1935 bestehenden südlich gelegenen Anbau eingerichtet. In den Innenraum der Kirche wurde eine Fußbodenheizung eingebaut und teilweise wurde neues Gestühl angeschafft. Dazu haben auch zahlreiche Spenden von Bürgerinnen und Bürgern beigetragen.

Ergänzt wird das Neue durch die teilweise noch originale Ausstattung der Kirche: So etwa durch den aus dem 15. Jahrhundert stammenden Taufstein. Oder durch die teils noch original erhaltenen figürlich-spielerischen Konsolen an den Rippenbögen des Gewölbes, auch ‚Kragsteine’ genannt, sowie durch die zwei besonders schmuckvollen Kirchenfenster. Sie sollen zu den ältesten noch erhaltenen Kirchen-Schmuckfenstern in Berlin und Umgebung gehören und zeigen den ‚Kampf des Heiligen Georg mit dem Drachen’ und die ‚Geißelung Christi’. Wahrzeichen der Kirche ist zweifellos der Glockenturm, der weit sichtbare ‚schiefe Turm von Stralau’: Die Neigung des Turms beträgt fünf Grad aus dem Lot (58 cm nach Westen; 93 cm nach Norden). Seit dem Mauerbau 1961 verfügt die Dorfkirche im Vorraum zudem über eine Andachtsnische. Hier bestand während der Teilung der Stadt für trauernde Ostberlinerinnen und Ostberliner die Möglichkeit, ihrer verstorbenen Verwandten zu gedenken, sofern ihnen die Möglichkeit einer Teilnahme an Beerdigungen im Westen der Stadt versagt wurde.

Ursprünglich war die Stralauer Dorfkirche für lediglich elf arme Fischerfamilien gedacht, die auf der ehemals wendischen Landzunge siedelten und deren Pfarrer eigens von Berlin entsandt und bezahlt werden musste. Die Stralauer Dorfkirche wurde in den Jahren 1459 bis 1464 errichtet und ist die einzige Berliner Dorfkirche, deren Entstehungsdatum konkret belegt ist. Nach mehreren Blitzeinschlägen wurde der Kirchturm 1823/1824 nach dem Entwurf des ersten Berliner Stadtbaurats Carl Ferdinand Langerhans (1781-1869) neu gebaut und erhielt seine heute noch erhaltene nüchtern-prägnante Form. Mit dem baldigen Einsetzen der Industrialisierung und der Errichtung von zahlreichen Werksgebäuden und dem rapiden Anstieg der Einwohnerschaft war es jedoch bald dahin mit dem einstigen Idyll auf Stralau. Um die Zeit der Eingemeindung nach Groß-Berlin (1920) lebten mittlerweile rund 5 000 Menschen auf der  Halbinsel und die Kirche platze förmlich aus allen Nähten, was wiederum die Errichtung eines Vorbaus zur Aufbewahrung von Särgen und für Trauerfeiern in den 30er-Jahren notwendig machte. Ein schwerer Bombenangriff am 26. Februar 1945 zerstörte einen Großteil der Kirche. Die Schäden konnten bis Weihnachten 1951 repariert und die Kirche neu eingeweiht werden.

Seit Mitte der 90er-Jahre erlebt die Stralauer Halbinsel eine wahre Renaissance und hat sich zu einem sehr attraktiven und beliebten Friedrichshainer Wohngebiet direkt am Wasser entwickelt. Die Dorfkirche ist dabei ein identitätsstiftender Ort der Besinnung und Begegnung sowie der Kommunikation und des kulturellen Austauschs geworden. Es gibt Pläne, das Turmgeschoss der Dorfkirche zu einem Begegnungsraum auszubauen und ein kleines Geschichtsarchiv einzurichten. Für entsprechende Fördergelder zur Umsetzung dieser Pläne werde ich mich in den kommenden Jahren einsetzen. 

Wer noch mehr über die Geschichte der Dorfkirche erfahren möchte, kann sich auf der Homepage der Dorfkirche Stralau informieren und auch die aktuelle Festschrift “550 Jahre Dorfkirche Stralau” (€10 Schutzgebühr) unter der folgenden Anschrift bestellen: 

Förderverein Stralauer Dorfkirche e.V.
c/o Dr. Uwe Nübel
Alberichstraße 96
12683 Berlin

Spendenkonto: Volksbank Berlin, IBAN: DE27100900005607639002

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