Kieztipp (7): Brandt zurück am Brandenburger Tor

Mein Kieztipp kommt diesmal aus der Mitte Berlins und ist eigentlich ein Berlintipp: Zwanzig Jahre nach dem Tod des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt und ein Jahr vor seinem hundertsten Geburtstag wurde gestern mit einem Festakt die neue Ausstellung „Willy Brandt – Politikerleben“ unweit des Brandenburger Tors eröffnet.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit betonte bei dem Festakt: „Mit der neuen Ausstellung im Forum Willy Brandt hat das Gedenken an ihn seinen festen Platz in der Mitte Berlins gefunden. Er war nicht nur ein großer Regierender Bürgermeister für Berlin, sondern auch einer der bedeutendsten deutschen Politiker des 20. Jahrhunderts. Die Brüche und Katastrophen, aber auch die Hoffnungen und Kämpfe um ein vereintes Deutschland und Europa und eine friedliche, gerechte Welt vereinen sich in einzigartiger Weise in Willy Brandt. Mit dem Fall der Mauer hat sich sein Lebenswerk vollendet. Berlin freut sich auf die Ausstellung über Willy Brandt.“

Die Ausstellung verfolgt in fünf Kapiteln den Lebensweg und die politische Laufbahn des Staatsmannes und Nobelpreisträgers: von seiner Jugend in Lübeck, der Arbeit als Regierender Bürgermeister West-Berlins über die Zeit seiner Kanzlerschaft 1969 – 1974 bis zu seinem Tod im Jahr 1992.

Zu den interessantesten Exponaten zählt die Karteikarte, die 1938 von der Gestapo über Willy Brandt und dessen Widerstandsaktivitäten angelegt worden ist. Dieses einzigartige Dokument wurde erst jetzt im Bundesarchiv in Berlin gefunden und ist nun erstmals ausgestellt. Weitere Highlights unter den Schriftstücken sind das Abiturzeugnis 1932, die Wiedereinbürgerungsurkunde 1948, der Briefwechsel mit Kennedy zum Mauerbau 1961, das Manuskript der ersten Regierungserklärung 1969, die Nobelpreisurkunde 1971 sowie ein Brief an Gorbatschow zum Mauerfall 1989.

Mein ganz persönliches Highlight der Ausstellung ist ein Bild vom Besuch Willy Brandts am 25. August 1960 am Boxhagener Platz in Friedrichshain. Damals besuchte er als Regierender Bürgermeister aus Solidarität die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in ihrem Kreisbüro in der Krossener Straße. Sie SPD-Mitglieder wurden damals, ein Jahr vor dem Mauerbau, immer stärker in ihrer Parteiarbeit durch die Staatsorgane der DDR behindert. Deshalb freue ich mich sehr, dass dieses wichtige Bild zur Geschichte der SPD in Friedrichshain den Weg in die Ausstellung gefunden hat.

Medienstationen mit Ton- und Filmaufnahmen ergänzen die Willy-Brandt-Präsentation und machen den Ausnahmepolitiker vor allem durch seine markante und unverwechselbare Stimme lebendig. Willy Brandts spezieller „Sound“ hat sich im Verlauf seines Politikerlebens herausgebildet. Die Besucher können seine rhetorische Entwicklung gut mitverfolgen, so zum Beispiel den noch starken norddeutschen Akzent Ende der vierziger Jahre, den harten und leidenschaftlichen Ton des Kalten Krieges in der Zeit des Mauerbaus 1961, die Aufbruch signalisierende Regierungserklärung 1969, die illusionslose Ansprache zur Unterzeichnung des Warschauer Vertrages 1970 oder die emotional bewegten und bewegenden Worte zum Fall der Mauer 1989.

Öffnungszeiten und Eintritt:
Dienstag bis Sonntag, 10-18 Uhr
Eintritt zur Dauerausstellung und zu allen Veranstaltungen frei

Nahverkehrsanbindung:
S 1, S 2, S 25 Brandenburger Tor
U 55 Brandenburger Tor
Buslinien TXL und 100 (Haltestelle “S+U Brandenburger Tor”)

Kontakt:
Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung d.ö.R.
Forum Willy Brandt Berlin
Unter den Linden 62-68
D-10117 Berlin
Tel. 030 / 78 77 07-0
Fax 030 / 78 77 07-50
e-Mail: info@willy-brandt.de
www.willy-brandt.de

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