Kieztipp (6): Schneeabenteuer in Tschechien und Polen

Mein Kieztipp heute verspricht ein kleines Abenteuer im Grenzgebiet Deutschland, Polen und Tschechien. Also eher Entspannung vom Kiez als im Kiez. Wer mit dem Zug schon an der Ostsee war und Brandenburg entdeckt hat, für den ist dieser Trip ins Riesengebirge genau das Richtige und eine neue Herausforderung.

Ich habe die Reise (in umgekehrter Richtung) vor Weihnachten zusammen mit Mitgliedern des Fachausschuss Mobilität gemacht und dabei auch spontan die Patenschaft für Projekte zur Verbesserung der Schienenverbindungen zwischen Deutschland und Polen übernommen: Denn nur wenn die Reisezeiten zusammenschmelzen, wächst Europa richtig zusammen.

Das Beste an der Reise im Winter ist: Die Schneesicherheit ist viel größer als in Berlin. Mit dem Zug geht es in weniger als viereinhalb Stunden von Berlin nach Liberec (ehemals Reichenberg) nach Tschechien, genauer gesagt nach Nordböhmen. Umsteigen muss man in Cottbus und Zittau (hier kann auch eine Schmalspurbahn unter Dampf besucht werden). Bis Spremberg kann man das Brandenburg-Berlin-Ticket (für bis zu 5 Personen) für 28 Euro pro Tag nutzen. Danach empfiehlt sich die Euro-Neisse-Kleingruppenkarte (auch für bis zu 5 Personen) für 23 Euro pro Tag. Es ist bei den Zugbegleitern im Zug ab Cottbus erhältlich und gilt auch in Tschechien und Polen.

In Liberec empfiehlt sich eine Übernachtung. Die Stadt hat eine wunderschöne Altstadt und lädt zum Spazieren und Einkaufen ein. Auch ein Spaziergang rund um den Stausee in der Stadt, vorbei an Stadtvillen, lohnt sich. Der Stadtverkehr in Liberec kann mit dem Euro-Neisse-Ticket genutzt werden. Die Attraktion der Stadt für Naturfreunde ist der 1012 Meter hohe Berg Jested. Hier erstreckt sich im Winter auch ein Skigebiet. Zum Berg kommt man von der Innenstadt mit der Tram 3 bis zur Endstation (Horní Hanychov). Von dort sind es 900 Meter zu Fuß bis zur Talstation der Kabinenseilbahn. Sie kann ebenfalls kostenlos mit dem Euro-Neisse-Ticket benutzt werden. An der Bergstation befindet sich ein sehr futuristischer Turm mit Panoramarestaurant.

Von Liberec kann man dann nach Polen ins schlesische Jelina Gora (früher Hirschberg) weiterreisen. Die Bahnfahrt ist ziemlich abenteuerlich. Mit dem Regionalzug fährt man hoch ins Gebirge in ca. 80 Minuten nach Harrachov (früher Strickerhäuser). Es ist eine sehr kleine Station. Bis der Anschlusszug kommt, kann man in der Bahnhofskantine einen kleinen Imbiss nehmen. Von hier aus fährt man in zwei Stunden nach Jelina Gora. Zuerst geht es aber mit einem sehr kleinen Triebwagen der Tschechischen Staatsbahn über den Gebirgskamm bis zur polnischen Station  Szklarska Poreba Gorna (früher Ober-Schreiberhau). Dabei passiert man den Bahnhof Jakuszyce (früher Jakobsthal) in 886 Metern Höhe. Dies ist heute der höchstgelegene Bahnhof Polens (früher der höchstgelegene Bahnhof Preußens). Die klimatischen Bedingungen in Jakuszyce entsprechen denen in den Alpen in 1500 m Höhe. In Szklarska Poreba Gorna wird innerhalb von einer Minute der Triebwagen gewechselt. Erst 2010 wurde der grenzüberschreitende Reiseverkehr wieder aufgenommen, der infolge des Zweiten Weltkrieges aufgegeben worden war. Mit der Gebirgsbahn, der ehemaligen Zackenbahn, geht es mit 20 Kilometern in der Stunde hinab ins Tal nach Jelina Gora. Auch dort empfiehlt sich eine Übernachtung. Die Altstadt ist wunderschön und auch die Umgebung lädt zum Bleiben ein.

Von Jelina Gora kann man dann wieder die Rückreise nach Berlin antreten oder weiter mit dem Zug in drei Stunden nach Wroclaw (ehemals Breslau) fahren, eine der schönsten Städte Polens. Für die Stadterkundung sollte man dann mindestens auch einen Tag einplanen. Die Stadt ist 2012 auch Spielort der Fußball-Europameisterschaft und putzt sich entsprechend noch mehr raus. Ab Jelina Gora bis Wroclaw gilt nicht mehr das Euro-Neisse-Ticket, die Fahrt mit der Polnischen Staatsbahn ist aber mit rund 4 Euro pro Person sehr erschwinglich. Von Wroclaw kann  man sowohl mit dem Regionalzug mit Umsteigen oder direkt mit dem Eurocity nach Berlin zurückfahren. Kosten: bis zu 29 Euro pro Person.

Bei der Fahrplanplanung bitte folgende Etappen eingeben: Berlin-Liberec, Liberec- Harrachov, Harrachov-Jelina Gora. Und immer ein paar Minuten früher am Bahnhof sein, die Züge fahren manchmal etwas abweichend vom Fahrplan und die Abfahrtsgleise stehen auch erst kurz vorher fest. Weitere Fragen beantworte ich gerne.

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